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Fachinfo-Magazin HSB - Ausgabe 2/18

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Zweite Ausgabe 2018 des kostenlosen Fachinfo-Magazins Hohe Schmerzensgeldbeträge (HSB) erschienen. Im Fachinfo-Magazin HSB stellt RiBGH Wolfgang Wellner fünf Fälle vor, bei denen Schmerzensgelder zwischen 60.000 und 500.000 Euro zuerkannt wurden: • Zu Unrecht im Gefängnis wegen eines unrichtigen Gutachtens im Strafprozess • Schwerster Schockschaden infolge des miterlebten Todes des Ehemannes bei einem Verkehrsunfall • Grober Behandlungsfehler durch unzureichende Befunderhebung bei einer Operation der Halswirbelsäule • Pflichten eines niedergelassenen Gynäkologen bei der Auswertung eines CTG • Grober Befunderhebungsfehler mit Herz-Kreislauf-Stillstand bei der Behandlung eines Säuglings

BEHANDLUNGSFEHLER Der

BEHANDLUNGSFEHLER Der operative Eingriff wurde am 11.03.2009 durchgeführt. Es erfolgte die Implantation einer Bandscheibenprothese C3/4 sowie eine ventrale Fusion C4-7 mit Cage und Verplattung. Die Operation wurde von Dr. L geleitet, der Chefarzt Dr. N war während des Eingriffs zeitweise anwesend. Im Anschluss an die Operation wurde die Klägerin auf die Intensivstation verlegt. Gegen 20:15 Uhr wurde eine zunehmende Schwäche aller vier Extremitäten festgestellt. Die Klägerin konnte nur noch den rechten Arm und die Zehen bewegen. Insbesondere hatte sie kein Empfindungsvermögen mehr. Mehrere Revisionsoperationen durchgeführt Mit der Diagnose einer postoperativen Nachblutung und Myelonkompression erfolgte am 11.03.2009 um 23:05 Uhr eine Revisionsoperation der Klägerin durch Dr. N. Während der Operation wurden die ventrale Platte und der Cage entfernt. Es erfolgten eine Blutstillung von ventral und eine Dekompression des Myelons. Am 12.03.2009 nahm Dr. N um 14:15 Uhr eine erneute Revisionsoperation vor, nachdem weitere klinische Kontrollen und CT-Untersuchungen eine erneute Kompression des Myelons ergeben hatten. Am 16.03.2009 wurde die Klägerin zur weiteren Behandlung in das Querschnittszentrum des berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums C verlegt. Die Klägerin leidet seit der Operation vom 11.03.2009 unter einer kompletten Querschnittslähmung sub. C3. Das Landgericht hat der Klage gestützt auf ein fachorthopädisches Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. U stattgegeben und die Beklagte zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 400.000 € verurteilt. RECHTLICHE BEURTEILUNG: Die Berufung der Beklagten hatte keinen Erfolg. Der Sachverständige ist dabei verblieben, dass eine unvollständige Befunderhebung stattgefunden hat sowie, dass die Operation weder dem Grunde noch der Form nach indiziert war. Es bestand bei der Klägerin im Dezember 2008 nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme allenfalls eine relative OP-Indikation. Bei zervikalen Bandscheibenvorfällen müssen operative Maßnahmen individuell abgewogen werden, da in vielen Fällen eine konservative Behandlung gleichfalls erfolgversprechend ist. Nachdem das vom Sachverständigen geforderte Gespräch über die Möglichkeit des Zuwartens und Weiterführens der konservativen Behandlung nicht stattgefunden hat, ergab sich hieraus der Vorwurf unzureichender Aufklärung über Behandlungsalternativen. Ein gesonderter grober Behandlungsfehler ist weiterhin darin zu sehen, dass vor der Operation vom 11.03.2009 eine weitere präoperative Befunderhebung unterlassen worden ist. Es war ausweislich der Unterlagen der Beklagten zwischenzeitlich ein neuer neurologischer Befund bei der Klägerin aufgetreten mit Sensibilitätsstörungen im rechten Unterarm und der rechten Hand und einer Kraftgradminderung bzgl. des Trizeps und des Bizeps. Diesem Befund hätte man nach Angabe des Sachverständigen zwingend weiter durch Erstellung eines neuen MRT und Veranlassung einer erneuten neurologischen Untersuchung nachgehen müssen. Beide Untersuchungen waren danach für die Stellung der Operationsindikation zwingend erforderlich. Vorgehen der Ärzte aus fachlicher Sicht unverständlich Der Sachverständige hat diese Unterlassung aus medizinischer Sicht für vollkommen unverständlich erachtet und zur Begründung angeführt, dass sich infolge der unterlassenen Befunderhebung vor dem Eingriff keine sichere Diagnose ergeben hat. Nachdem mangels neurologischer Abklärung für die Verschlechterung keine Diagnose vorgelegen hat, hätte die Operation unter keinen Umständen stattfinden dürfen. Das OLG hielt in Übereinstimmung mit dem Landgericht die Vornahme eines schwerwiegenden operativen Eingriffs ohne zuvor gesicherte Diagnose für grob fehlerhaft. Der Sachverständige hat im Senatstermin angegeben, dass man wegen der unterlassenen Befunderhebung nicht genau sagen kann, ob ggf. eine absolute OP-Indikation bestanden hat. Er hat dargelegt, dass das Vorgehen der Ärzte der Beklagten aus fachlicher Sicht nicht mehr verständlich ist und dargelegt, dass ein Kandidat in der Facharztprüfung durchgefallen wäre, wenn er die streitgegenständliche Operation ohne vorherige neurologische Abklärung durchgeführt hätte. Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 € wegen schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen Letztlich ist das zugesprochene Schmerzensgeld von 400.000 € angesichts der schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen auch zur Überzeugung des Senats nicht zu beanstanden. Durch die Operation war es zu einer kompletten Querschnittslähmung unterhalb C3/4 gekommen mit der Folge, dass der Klägerin keine Willkürbewegungen der Arme und Beine mehr möglich sind und das sensible Empfinden im Bereich des Stammes und der Extremitäten einschließlich des sexuellen Empfindens fehlt. Aufgrund einer Zwerchfellbeeinträchtigung ist auch eine eigenständige, dauerhafte Atmung nicht mehr möglich, was eine Langzeitbeatmung zur Folge hat und zur Beeinträchtigung des Sprechvermögens geführt hat. Ferner besteht eine Blasen- und Darmentleerungsstörung sowie eine Störung der Magen-Darm-Funktion. Auch eine psychische Belastung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gegeben. Aufgrund des dauerhaften und unabänderlichen Zustands und weil die Klägerin vollkommen auf fremde Hilfe angewiesen ist, war nach Auffassung beider Instanzgerichte ein hohes Schmerzensgeld gerechtfertigt. 10 // FACHINFO-MAGAZIN HOHE SCHMERZENSGELDBETRÄGE 02/2018

BEHANDLUNGSFEHLER 4. PFLICHTEN EINES NIEDERGELASSENEN GYNÄKOLOGEN BEI DER AUSWERTUNG EINES CTG OLG HAMM, URTEIL VOM 19. MÄRZ 2018 – 3 U 63/15, JURIS 1. Zu der Frage, wie ein niedergelassener Gynäkologe die Auswertung eines routinemäßig geschriebenen CTG einer Schwangeren organisieren muss und wie auf ein silentes CTG mit einem im Doppler-Ultraschall erkennbaren Reverse Flow in der Nabelschnurarterie zu reagieren ist sowie zu den Folgen einer grob fehlerhaften gynäkologischen Behandlung in einer solchen Situation (Orientierungssatz juris). 2. Bei einem Geburtsschaden (Hirnschädigung) ohne die allerschwersten Beeinträchtigungen kann ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 € angemessen sein. FALL: Der Kläger machte gegen den Beklagten, einen niedergelassenen Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schadensersatzansprüche wegen einer fehlerhaften gynäkologischen Behandlung seiner Mutter am 06.11.2008 geltend. Schwere körperliche und geistige Schäden durch Sauerstoffunterversorgung Er warf dem Beklagten vor, auf eine bei ihm bestehende Sauerstoffunterversorgung nicht fachgerecht reagiert zu haben, wodurch es bei ihm zu schweren dauerhaften körperlichen und geistigen Schäden gekommen sei. Die Schwangerschaft der Mutter des Klägers verlief zunächst unauffällig. Insbesondere wurden bei den vorangegangenen Untersuchungen in der Praxis des Beklagten am 18.09. und 17.10.2008 weder im CTG noch im Hinblick auf die Entwicklung des Klägers Auffälligkeiten festgestellt. Bei der Behandlung am 06.11.2008 wurde – überobligatorisch – vom Praxispersonal des Beklagten ein in den Mutterschaftsrichtlinien nicht vorgeschriebenes CTG abgeleitet, das pathologisch war. Dies wurde dem Beklagten nicht sogleich vorgelegt, sodass er erst bei der nachfolgenden Ultraschalluntersuchung den pathologischen Zustand des Feten bemerkte. Daraufhin schickte der Beklagte die Mutter des Klägers zunächst mit dem eigenen Pkw nach Hause und danach in das nächste Perinatalzentrum, obwohl es noch ein näher gelegenes Krankenhaus gab, in dem der Kläger hätte entbunden werden können. Der Kläger behauptete, dass eine schwere Hirnschädigung hätte vermieden werden können, wenn der Beklagte das CTG rechtzeitig ausgewertet und fachgerecht reagiert hätte. RECHTLICHE BETEILUNG: Das sachverständig beratene OLG bewertete das Verhalten des Beklagten jedenfalls in der Gesamtschau als groben Behandlungsfehler, der zu einer Beweislastumkehr hinsichtlich der zuzurechnenden Folgen führte. Einen ersten Behandlungsfehler sah das OLG bei der Auswertung des CTG. Es 11 // FACHINFO-MAGAZIN HOHE SCHMERZENSGELDBETRÄGE 02/2018

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