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Wie Steuerberatungskanzleien Honorare sichern und liquide bleiben

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Wie Steuerberatungskanzleien Honorare sichern und liquide bleiben Leitfaden Verrechnungsstellen: Rechtliches, Arten, Ablauf, Kosten Von Hans-Günther Gilgan Kaum ein Steuerberater ist nicht von teilweisen oder totalen Forderungsausfällen betroffen. Mehrmonatige Außenstände sind keine Seltenheit. Häufig kämpfen dann die Steuerberatungskanzleien selbst mit Liquiditätsproblemen. Damit dies nicht so weit kommt, sollten Steuerberater frühzeitig ein effektives Forderungsmanagement entwickeln. Eine Möglichkeit, die seit 2008 auch Steuerberatern zugänglich ist, ist die Beauftragung einer Verrechnungsstelle. Viele Steuerberater scheuen dieses Forderungsmanagement durch Factoring aufgrund von Vorurteilen und fehlenden Kenntnissen in der Praxis. Die kostenlose eBroschüre aus dem NWB-Verlag durchleuchtet auf 20 Seiten knapp und verständlich alle Aspekte des Themas und zeigt auf, wie Factoring für Steuerberater funktionieren kann. So erhalten Sie eine umfangreiche Informationsgrundlage zum Factoring für Steuerberater. Aus dem Inhalt: - Gründe für Forderungsausfälle - Finanzierungsmöglichkeiten für Steuerberater - Rechtliche Aspekte des Factorings - Funktionen des Factorings (Finanzierungs-, Dienstleistungs- und Versicherungsfunktion) - Arten des Factorings - Übersicht, Kosten und Voraussetzungen - Praktischer Ablauf - Vor- und Nachteile des Factorings - Erfahrungen von Steuerberatern - Weiterführende Literatur

4. Arten des Factorings

4. Arten des Factorings Von dem vollen Gegenwert der Forderung kann der Factor einen gewissen Prozentsatz (als Gebühr, zur Finanzierung des Delkredererisikos, für die mögliche Inanspruchnahme von Boni und Skonti durch Schuldner und für die Übernahme weiterer Dienstleistungen etc.) abziehen. Im Jahr 2009 betrugen die durchschnittlichen Forderungslaufzeiten im deutschen Mittelstand bei 73 % aller Geschäftsvorgänge bis zu 30 Tage, bei 15 % bis zu 60 Tagen. 8 Erhält die Kanzlei, die Factoring als Finanzierungsinstrument einsetzt, die Forderungserlöse vom Factor unmittelbar nach Rechnungsstellung (zumeist innerhalb von 24 Stunden), so kann sie das Geld zwischenzeitlich wirtschaftlich sinnvoll einsetzen, um beispielsweise eigene Verbindlichkeiten zu decken und Skonti in Anspruch zu nehmen oder geringere Dispositionslinien zu beanspruchen. Es entfällt also der Zwischenfinanzierungsaufwand, der zu leisten wäre, müsste die Kanzlei das ihren Debitoren eingeräumte Zahlungsziel abwarten. Factoring ist daher als ein „umsatzkongruentes Finanzierungsinstrument“ zu qualifizieren, da es die schnellere Finanzierung von Umsatzwachstum ermöglicht. Factoring ist damit gerade für den Mittelstand ein geeignetes Mittel, aus dem eigenen Forderungsbestand kurzfristig Liquidität zu generieren, wenn wegen einer geringen Eigenkapitalausstattung nur über einen kontokorrentfinanzierten Liquiditätsspielraum verfügt werden kann, der in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Umsatzeinbrüchen und langen Zahlungszielen schnell in Richtung Zahlungsunfähigkeit und damit in die Insolvenz führen kann. 3.2 Dienstleistungsfunktion/Entlastung Der Factor kann für die Anschlusskanzleien weitere Dienstleistungen übernehmen, wozu die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, des Forderungseinzugs, des Mahn- und Inkassowesens, des Forderungseinzugs und der gerichtlichen Durchsetzung gehören kann. Es handelt sich dann um das sog. Full-Service-Factoring, das der Anschlusskanzlei eine hohe administrative Entlastung gewährt, aber natürlich zusätzliche Kosten verursacht. Übernimmt der Factor das Forderungsmanagement, so wird dieser die Forderungen konsequenter einziehen als die Kanzlei, was sowohl das Rating der Kanzlei aus Sicht der Bank verbessert als auch weitere positive Liquiditätseffekte durch mögliche Kürzungen von Skontierungszeiträumen, bessere Überwachung der Zahlungsziele oder ein konsequenteres Mahnwesen bewirkt. 3.3 Versicherungsfunktion/Sicherheit Das echte Factoring (siehe unten Abschnitt B.4.1) schließlich bringt noch die Versicherungs- oder Delkrederefunktion mit sich, d.h., der Factor trägt das Zahlungsausfallrisiko im Fall der Uneinbringlichkeit der Forderung. Der Zedent kann nicht in Regress genommen werden, da er lediglich für die Verität, also für den rechtlichen Bestand der Forderung nach §§ 453 Abs. 1, 435 BGB haftet, nicht hingegen für die Bonität des Debitoren. Diese Funktion des Factorings ist für den Steuerberater von Bedeutung, da Forderungsausfälle stets gegenwärtig sind. Nach einer Studie von Creditreform 9 beklagen 30,6 % der Befragten Forderungsausfälle von bis zu 0,1 % des Jahresumsatzes, 38,3 % bis zu 1 % und 14,8 % der Befragten Ausfälle von über 1 % des Jahresumsatzes. Jedoch ist zu beachten, dass der Factor die Debitoren des Steuerberaters einer Bonitätsprüfung unterzieht und sich den tatsächlichen Ankauf der Forderung vertraglich vorbehalten kann (siehe Abschnitt B.11.7). 4. Arten des Factorings Das Factoring lässt sich nach Art der Forderungsabtretung (siehe Abschnitte B.4.1–4.6) und nach Art des Leistungsumfangs (siehe Abschnitte B.4.7–4.9) unterscheiden. Nach der Legaldefinition des § 19 Abs. 5 KWG ist beim entgeltlichen Erwerb von Forderungen der Veräußerer als Kreditnehmer anzusehen, wenn er für die Erfüllung der Forderungen einzustehen hat oder sie zurückerwerben muss; das ist beim unechten Factoring der Fall. Beim echten Factoring gilt der Forderungsschuldner als Kreditnehmer. Es wird also zwischen echtem und unechtem Factoring unterschieden. 4.1 Echtes Factoring Beim echten Factoring wird die Forderung vom Steuerberater an den Factor verkauft (schuldrechtliches Geschäft) und gem. § 398 BGB abgetreten (dingliches Geschäft); dieser tritt künftig an seine Stelle. Damit geht insbesonde- 8 Creditreform, Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2013, S. 22, abrufbar unter http://www.creditreform.de/fileadmin/user_upload/ crefo/download_de/news_termine/wirtschaftsforschung/wirtschaftslage-mittelstand/analyse_MIT-herbst-2013.pdf. 9 Creditreform, Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand – Herbst 2013, S. 27. Gilgan | Wie Steuerberatungskanzleien Honorare sichern und liquide bleiben | NWB Verlag 16

4. Arten des Factorings re auch das volle Ausfallrisiko der abgetretenen Forderungen auf den Factor über, so dass für den Steuerberater kein Forderungsausfallrisiko (Delkredere) mehr besteht; die Kanzlei wird vom Risiko der Nichterfüllung ihres Gebührenanspruchs befreit. 10 Dadurch entfällt das typische Element eines Darlehensvertrags, nämlich der Rückzahlungsanspruch. Beispiel: Der Factor erwirbt Forderungen des Steuerberaters und zieht diese vom Debitoren ein. Der Factor leistet für die Abtretung der Forderungen an den Steuerberater eine Zahlung, die sich an der Höhe der Forderung orientiert. Die im Zweifel notwendige außergerichtliche oder gerichtliche Geltendmachung der Forderung dem Debitoren des Steuerberaters gegenüber ist dann Sache des Factors. Achtung: Nach § 407 BGB kann der Debitor schuldbefreiend an den ursprünglichen Gläubiger leisten, wenn er keine Kenntnis von der Abtretung hatte. Der Factor trägt also das Weiterleitungsrisiko, wenn der Debitor in Unkenntnis der Abtretung mit schuldbefreiender Wirkung an die Kanzlei zahlt. 4.2 Unechtes Factoring Beim unechten Factoring verbleibt das Bonitätsrisiko bei der Kanzlei. Zwar übernimmt und bezahlt der Factor diese Forderung auch, jedoch greift er auf die Kanzlei zurück, wenn er die Forderung beim Debitor nicht beibringen kann. Damit ist die Bezahlung der Kanzlei durch den Factor als vorläufig bzw. „kreditweise Überlassung des Forderungsbetrages“ zu betrachten. 11 Da die Rückzahlungspflicht der Kanzlei keine Primärpflicht ist wie beim normalen Darlehen, sondern nur im Fall des Debitorenausfalls eintritt, handelt es sich insoweit um ein atypisches Darlehen nach § 488 BGB. Das Verfügungsgeschäft besteht beim unechten Factoring also nicht in der Abtretung der Forderung, sondern in einer Kreditgewährung durch den Factor. Damit verbleiben sowohl das Forderungsausfallrisiko (= Delkredererisiko) als auch die Veritätshaftung (siehe oben Abschnitt B.1.2) bei der Kanzlei. 12 Bei der Zahlung des Kaufpreises im Rahmen des unechten Factoring handelt es sich damit um eine bloße Vorfinanzierung der Gebührenansprüche, deren Abtretung nach § 364 Abs. 2 BGB nur erfüllungshalber für den Fall erfolgt, dass die Forderung tatsächlich eingezogen werden kann. Das unechte Factoring ist zwar gegenüber dem echten Factoring günstiger, da keine Delkredereprovision zu entrichten ist. Dafür läuft die Kanzlei aber Gefahr, im Fall der Nichtzahlung des Honorars den Debitoren selbst verklagen zu müssen. Die Chancen, die Klage zu 100 % zu gewinnen, sind relativ gering, da man sich im Prozess regelmäßig um die Angemessenheit der Gebühr streitet. Und dies mit der Folge, dass entweder ein kostenintensives Gutachten einzuholen ist, durch das die Verfahrenskosten deutlich steigen und im Ergebnis zulasten dessen gehen, der den Prozess (teilweise) verliert, oder zur Vermeidung dieses Risikos ein Vergleich eingegangen wird, der ebenfalls mit einer Honorareinbuße verbunden ist. Diese Konsequenz lässt sich nur durch das echte Factoring vermeiden. 4.3 Fälligkeitsfactoring Beim Fälligkeitsfactoring werden das Debitorenmanagement und das Forderungsausfallrisiko vom Factor übernommen. Die Kanzlei verzichtet aber auf die sofortige Regulierung des Kaufpreises und nimmt damit nicht den Finanzierungseffekt in Anspruch. 13 Diese Erscheinungsform des Factoring entspricht im Grunde einer Kreditversicherung und hat sich insbesondere in Geschäftszweigen etabliert, in denen die Verität (siehe oben Abschnitt B.1.2) der Forderung regelmäßig vor Fälligkeit in Zweifel steht. Die Anschlusskanzlei kann mit dem Factor flexibel Zahlungstermine unabhängig von den Zahlungseingängen der Debitoren vereinbaren, wodurch die Finanzplanung erheblich erleichtert wird. Die Zahlung des Kaufpreises beim Fälligkeitsfactoring erfolgt somit zu einem fest definierten, zeitlich deutlich nach Abschluss des Kaufvertrags liegenden Zeitpunkt (in der Praxis oftmals 120 Tage nach Fälligkeit). 10 EuGH, Urt. v. 26. 6. 2003 – Rs. C-305/01 – MGK-Kraftfahrzeuge-Factoring, ECLI:EU:C:2003:377. 11 Walter, Factoring als alternatives Finanzierungsinstrument für den Mittelstand, 1. Auflage 2010, S. 30. 12 Walter, Factoring als alternatives Finanzierungsinstrument für den Mittelstand, 1. Auflage 2010, S. 15 13 Walter, Factoring als alternatives Finanzierungsinstrument für den Mittelstand, 1. Auflage 2010, S. 15 f. Gilgan | Wie Steuerberatungskanzleien Honorare sichern und liquide bleiben | NWB Verlag 17

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