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Fachinfo-Magazin HSB 01/2020

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Wieder keine „taggenaue“ Berechnung des Schmerzensgeldes Ausgabe 01/2020 des kostenlosen Fachinfo-Magazins HSB – Hohe Schmerzensgeldbeträge erschienen

BEHANDLUNGSFEHLER 2.

BEHANDLUNGSFEHLER 2. SCHMERZENSGELD IN HÖHE VON 800.000 € WEGEN EINER SCHWEREN HIRNSCHÄDIGUNG EINES 17-JÄHRIGEN DURCH EINEN ANÄSTHESIEFEHLER LG GIESSEN, URTEIL VOM 6.11.2019 – 5 O 376/18 – PRESSEMITTEILUNG DES LG GIESSEN NR. 16/2019 VOM 07.11.2019, JURIS BGB § 253 Orientierungssatz: Ein schwerer hypoxischer Hirnschaden eines 17-jährigen Jugendlichen mit apallischem Syndrom und spastischer Tetraparese durch einen Narkosefehler kann ein Schmerzensgeld von 800.000 € rechtfertigen. FALL: Im Jahr 2013 wurde der zum damaligen Zeitpunkt 17-jährige Kläger im Klinikum der Beklagten wegen eines Nasenbeinbruchs operiert. Während der Vollnarkose kam es zu einer etwa 25-minütigen Sauerstoffunterversorgung, weil die Schläuche des verwendeten Beatmungsgeräts fehlerhaft angeschlossen worden waren. Infolge dessen erlitt der Kläger einen schweren hypoxischen Hirnschaden mit apallischem Syndrom und spastischer Tetraparese. Beklagtenseits war an den Kläger vorgerichtlich bereits ein Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 € gezahlt worden. Mit seiner Klage hat der Kläger einen weiteren Betrag von 500.000 € geltend gemacht. RECHTLICHE BEURTEILUNG: Das LG Gießen hat ein Schmerzensgeld von insgesamt 800.000 Euro für angemessen erachtet und dem Kläger daher eine Zahlung von weiteren 300.000 € zugesprochen. Schädigung aufgrund eines „voll beherrschbaren Risikos“ Nach Auffassung des Landgerichts ist zur Begründung des hohen Schmerzensgeldes insbesondere auf den Grad der Schädigung des Klägers Bezug zu nehmen, der zu einem selbstbestimmten Leben nicht mehr in der Lage ist. Hinzu komme das noch junge Alter des Klägers zum Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses. Erschwerend hat das Landgericht gewürdigt, dass die Verletzungen des Klägers aus einer fehlerhaften Bedienung des Beatmungsgeräts und damit aus dem Bereich eines voll beherrschbaren Risikos resultieren. Weitere Fälle zu Schmerzensgeldern bei Behandlungsfehlern finden Sie auf hsb-online.de 6 // FACHINFO-MAGAZIN HSB 01/2020

BEHANDLUNGSFEHLER 3. SCHMERZENSGELD IN HÖHE VON 500.000 € FÜR ZERSTÖRUNG DER PERSÖNLICHKEIT EINES KNAPP ZWEIJÄHRIGEN KINDES OLG FRANKFURT A. M. VOM 05.04.2018 – 2 U 65/17 § 253 BGB Für eine weitestgehende Zerstörung der Persönlichkeit eines knapp zwei Jahre alten Kindes kann ein Schmerzensgeld von 500.000 € angemessen sein. FALL: Die Klägerin nahm den beklagten Landkreis als Träger des Notfallrettungsdienstes auf Zahlung von Schmerzensgeld und Feststellung der Ersatzpflicht aller künftigen materiellen und nicht absehbaren immateriellen Schäden, die im Zusammenhang mit der aus ihrer Sicht fehlerhaften Behandlung standen. Die am 25.01.2007 geborene Klägerin litt seit ihrer Geburt an einer schweren Herzerkrankung, einem hypoplastischen Linksherzsyndrom mit Rechtsverlagerung und einer rechtsseitigen Lungenhypoplasie. Am Morgen des 03.12.2008 war die Klägerin somnolent und leicht zyanotisch. Die alarmierten Rettungssanitäter, die im Auftrag der XY Rettungsdienst GmbH für den Beklagten tätig waren, legten der Klägerin ein EKG an und maßen ihren Blutdruck. Kurze Zeit später erschien der im Notarztdienst des Beklagten eingesetzte Notarzt, der eine Verdachtsdiagnose (Krampfanfall) stellte und die Einlieferung der Klägerin in das Universitätsklinikum Frankfurt anordnete. Die Klägerin wurde sodann mit Sondersignal (Blaulicht) ohne Begleitung des Notarztes von den Rettungssanitätern nach Frankfurt transportiert. Die Blutzuckerwerte der Klägerin wurden weder anlässlich der Untersuchung durch den Notarzt noch während der Fahrt gemessen. Im Universitätsklinikum Frankfurt wurde die Klägerin zunächst notfallmäßig medikamentös mit Diazepam und dann mit Phenobarbital behandelt. Die abgenommenen Laborwerte zeigten eine starke Unterzuckerung, welche durch Glukosegabe rasch therapiert werden konnte. Weitere Untersuchungen (MRT unter Intubation) erfolgten am gleichen Tag. Herz-Kreislaufstillstand nach Narkose und Intubation Im Verlauf der pädiatrischen Intensivbehandlung kam es bei der Klägerin zu Sauerstoffsättigungsabfällen, weshalb die Klägerin am 04.12.2018 von Frankfurt aus zu einer Herzkatheteruntersuchung in die Kinderklinik Gießen verlegt werden sollte. Dort war sie bereits in der Vergangenheit behandelt worden. Zur Vorbereitung des Transports entschloss man sich zur Narkose und Intubation der Klägerin. Bei dieser Narkoseeinleitung trat bei der Klägerin ein Herz-Kreislaufstillstand ein, der zu ca. 30-minütigen Reanimationsmaßnahmen führte. Die Reanimation der Klägerin gelang, hatte jedoch indes hypoxische Hirnschäden zur Folge. Am 23.12.2008 wurde die Klägerin in die Klinik nach Gießen gebracht, wo ihr am 08.01. 2009 ein Herzschrittmacher implantiert wurde. In der Klinik in Gießen wurde die Klägerin am 19.01.2009 erneut 7 // FACHINFO-MAGAZIN HSB 01/2020

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