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MkG-Spezial „Die häufigsten Haftungsfallen für junge Anwältinnen und Anwälte“

Das Thema Haftung ist für junge Anwälte und Anwältinnen eines der wichtigsten Themen überhaupt. Denn mit der Berufsbezeichnung „Rechtsanwalt“ ist nicht nur gesellschaftliches Ansehen verbunden – sondern auch Risiken der Haftung für Vermögensschäden gegenüber Mandaten und Mandantinnen. Umso wichtiger ist es, dass Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen die eigenen Haftungsrisiken kennen und sich so aufstellen, dass Fehler von vorneherein vermieden werden. In der Spezialausgabe des Fachinfo-Magazins MkG (Mit kollegialen Grüßen) klärt Rechtsanwalt Tim Günther junge Anwältinnen und Anwälte darüber auf, welche berufsrechtlichen Pflichtverletzungen sie kennen müssen und welche Vorkehrungen sie zwecks Haftungsprävention treffen sollten. Außerdem liefert er nützliche Tipps, um typische Fehlerquellen in den ersten Berufsjahren und im eigenen Rechtsbereich zu vermeiden. Die Themen im Überblick: ► Rechtsgrundlagen der Haftung: Das müssen Berufseinsteiger:innen wissen ►Die häufigsten Haftungsfallen in den ersten Berufsjahren ►Haftungsfallen in unterschiedlichen Rechtsbereichen ► Haftungsprävention: Welche Vorkehrungen sollten getroffen werden? ► Berufshaftpflichtversicherung und Auswahlkriterien – darauf sollten Sie achten ► Marktübersicht mit zehn Berufshaftpflichtversicherern Über den Autor Rechtsanwalt Tim Günther ist seit über zehn Jahren als Rechtsanwalt tätig und Partner der Jähne Günther Rechtsanwälte PartGmbB mit einem Beratungsschwerpunkt im Wirtschafts- und Berufsrecht. Er ist Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz und Fachanwalt für Versicherungsrecht.

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Sie müssen nicht in der Kanzlei sein, um über bestes Rechtswissen zu verfügen. beck-online.DIE DATENBANK genügt. 40 Millionen Dokumente geballtes Rechtswissen online. Vertrauen Sie bei Ihrer Online- Recherche auf Deutschlands führende juristische Datenbank. Umfassendes Rechtswissen und qualitativ hochwertige Inhalte zu allen relevanten Fragen im Bereich Recht, Wirtschaft und Steuer. Praxisgerecht in über 300 Online- Modulen aufbereitet und im passgenauen Zuschnitt buchbar. 172816 Schnell, zuverlässig, aktuell und überall verfügbar – und das seit 20 Jahren. Feiern Sie mit uns unter: beck-shop.de/20-jahre-beck-online JETZT 4 WOCHEN KOSTENLOS TESTEN! testen.beck-online.de 14 // SONDERAUSGABE

HAFTUNGSPRÄVENTION: WELCHE VORKEHRUNGEN SOLLTEN GETROFFEN WERDEN? ................................................................................................................................................................................................................... KAPITEL IV HAFTUNGSPRÄVENTION: WELCHE VORKEHRUNGEN SOLLTEN GETROFFEN WERDEN? 4. 1. Mandatsumfang Die erste und naheliegendste Maßnahme zur Haftungsprävention ist zunächst die Definition des Mandatsumfangs. Der Inhalt des Mandatsvertrages wird häufig nicht klar definiert bzw. umgrenzt und richtet sich dann nach der Rechtsprechung des BGH auf eine umfassende und erschöpfende Beratung. Angesichts des damit verbundenen ebenso umfassenden Haftungsrisikos ist es empfehlenswert, den Beratungsauftrag so weit und so deutlich wie möglich zu Beginn des Mandatsverhältnisses einzugrenzen. Sofern der Rechtsanwalt zu Beginn der Mandatierung den Umfang des jeweiligen Auftrages konkret benennt, schuldet er eben auch nur für diesen Komplex eine entsprechende Beratungsleistung. Zu beachten ist dabei, dass ein Anwaltsvertrag grundsätzlich auch anwaltsfremde Maßnahmen umfassen kann, sofern sie in einem engen inneren Zusammenhang mit den rechtlichen Beistandspflichten stehen und auch Rechtsfragen aufwerfen können (BGH NJW 1998, 3486 ff.). Etwas anderes gilt nur dann, wenn die rechtliche Beratung und Vertretung völlig in den Hintergrund tritt und deswegen als unwahrscheinlich erscheint. Wenn die Gesamtwürdigung aller Umstände keine sichere Beurteilung darüber zulässt, ob ein Anwaltsvertrag vorliegt, dann gilt im Zweifelsfall der Grundsatz, dass derjenige, der die Dienste eines Rechtsanwalts in Anspruch nimmt, ihn auch gerade in dieser Eigenschaft beauftragen will. 4. 2. Partei und Dritthaftung Eine weitere Möglichkeit der Haftungsbegrenzung liegt in der konkreten Benennung der jeweiligen Partei des entsprechenden Mandatsvertrages. Dies gilt zum einen für die korrekte Benennung der handelnden Kanzlei (z. B. Einzelkanzlei, Rechtsanwaltsgesellschaft oder Partnerschaft) und vor allem für die korrekte Bezeichnung des beauftragenden Mandanten. Aus dem Mandatsvertrag anspruchsberechtigt ist zunächst der Mandant als Vertragspartner des Beraters. Mandant ist typischerweise die zu beratende Gesellschaft („UG“, „GmbH“, „AG“ o. ä.). Ein Trugschluss ist es nun aber, anzunehmen, nur diese könne im Haftungsfall Ansprüche gegen den Berater geltend machen. Es ist nämlich inzwischen anerkannt, dass auch Gesellschafter und Geschäftsführer in den Schutzbereich des zwischen der Gesellschaft und dem Berater geschlossenen Mandatsvertrags (sog. „Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter“) einbezogen sein können. Wegen der Einbeziehung von Gesellschaftern in den Schutzbereich des Vertrags sollen auch diese berechtigt sein, vertragliche Schadensersatzansprüche gegenüber dem Berater geltend zu machen. Dasselbe soll auch für Geschäftsführer gelten, auch diese sind in den Schutzbereich des Vertrags einbezogen. Eine weitergehende Dritthaftung kann durch einen entsprechenden Zusatz in den Mandatsvereinbarungen („Die Haftung aus dem Mandatsverhältnis erstreckt sich nur auf den oben genannten Mandanten. Eine Inanspruchnahme der Kanzlei durch Dritte ist ausgeschlossen; dies gilt insbesondere für Geschäftsführer und Gesellschafter des Mandanten. Das Mandat entfaltet insoweit keine Schutzwirkung.“) ausgeschlossen werden. 4. 3. Kanzleiorganisation Neben der Wahl der richtigen Rechtsform der Kanzlei (beispielsweise als GbR, Rechtsanwaltsgesellschaft, Partnerschaft oder der Partnerschaft mit beschränkter Berufshaftung) kommt vor allem der Kanzleiorganisation eine übergeordnete Rolle bei der Beschränkung des Haftungspotenzials zu. So muss der Rechtsanwalt nicht nur sein Personal entsprechend anweisen, Fristen ordnungsgemäß zu überwachen und zu notieren, Postein- und -ausgänge ordnungsgemäß zu erfassen und die an sie gestellten Aufgaben pflichtgemäß zu erfüllen. Der Rechtsanwalt ist dabei gehalten, insbeson- 15 // SONDERAUSGABE

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